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21. Mai 2005, 15:47 Uhr, soc

Oerlikon

Hab mich vor zwei Wochen in Justin Timberlake verliebt. Wir haben uns per Zufall auf dem Gebrauchtwagenmarkt kennengelernt. Zwischen Käfer und Ferrari sind wir ins Gespräch gekommen und haben über die Vergänglichkeit der Dinge philosophiert. Aus einem Treffen wurden mehrere; immer dann, wenn Cameron daheim auf die Hunde aufgepasst hat. Sie weiss von uns, aber ihr sonniges Gemüht verbietet ihr, Trübsaal und nicht Justin zu blasen.

Problematisch ist nur, dass Jus andauernd auf der Strasse angehauen wird, wenn wir zusammen unterwegs sind. Der schwule Marco, Frau Hinz und Herr Kunz kommen unaufgefordert auf uns zu und bleiben wie Ölgötzen vor uns stehen. Zuerst reissen sie die Augen und den Mund auf, dann sagen sie ein paar Worte, die sich wie Hebräisch anhören, bis sie schlussendlich ihre Krallen ausfahren um Jus anzupacken. Könnte ja auch eine Illusion, eine Fata Morgana oder das schlechte Koks von gestern Nacht sein.

Während die Zeit vergeht, lernt man damit umzugehen. Darum werde ich ihn nächste Woche meinen Eltern vorstellen. Wohlweisslich habe ich meine Mutter schon mal angerufen und ihr gesagt, mit wem ich daheim auftauchen werde. „Tschöstin Timerteich?“ „Was macht der?“ „Er ist Sänger, Mami.“ „Und was will der hier?“ „Dich kennenlernen und sich vorstellen.“ „Ach, na dann kommt doch. Ich lad dann noch Isabelle ein, gut?“ „Warum?“ „Ich finde ihr würdet so gut zusammenpassen.“ „Ist gut Mami, Auf Wiederhören.“

Justin, meine Mutter, Isabelle und ich werden also nächste Woche auf der Heide im tiefsten Freiburgerland aufeinander treffen. Bis es soweit ist, suchen sich Jus und ich ne Wohnung in Oerlikon, während Cameron weiterhin an der Goldküste die Hunde hütet. Die Gegend soll ganz schön sein. Glücklicherweise ist der Ausländeranteil dort so hoch, dass höchstens Tarkan auf der Strasse angepackt werden würde.

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06. Februar 2005, 02:49 Uhr, soc

Lügner

Soviel Potenzial steckt in ihm, soviel Emotion, Geist und Weitsichtigkeit. Sein wahres Wesen wird jedoch von ihm durch mentalitäre Gewissensbisse abgeschottet und verdrängt. Tagtäglich lenkt er sich ab, befriedigt sich durch das Erreichen irrelevanter Ziele und rennt trotzdem weiter stetig auf den Abgrund zu. Müsste er doch gerade den Teil seines Lebens aufgeben, der ihm fälschlicherweise am meisten Halt gegeben hat, um aus dem künstlich erzeugten Vakuum wieder fliehen zu können. Was am Ende bleibt ist sein Trotz, der die längst getätigte Erkenntnis zu verdrängen sucht. Doch die Wahrheit wird ihn immer wieder einholen. Selbst dann noch, wenn es zu spät sein könnte.

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12. Januar 2005, 10:04 Uhr, soc

Morgen

Die Sonne geht auf. Ich habe den Teller leer gegessen, die Flasche ausgetrunken, die Lösung aller Fragen gefunden, die Welt lieben gelernt und mit der ganzen Menschheit geschlafen. Während ich gestern helfen wollte, Vorbild sein wollte, nach Wahrhaftigkeit geschrieen und mir dabei den Rücken und das Herz verrenkt habe, stehe ich heute nicht neben, sondern in mir. Solange dieses Gefühl anhält, schaue ich herab auf eure kranken Gesichter und beobachte wie eure Haut immer bleicher wird. Fresst weiter euren Kummer weg, sauft euch in Extase um zu vergessen, vernachlässigt euer Individuum in das berechtigte Dasein hinein, bestätigt euer Umfeld zum Himmel hin und fickt euch um den Selbstbestätigungsverstand. Vielleicht schon morgen werde ich wieder bei euch sein. Bis es soweit ist, geniesse ich das Licht, dass mich durchflutet und die Wärme die sich in mir breit macht.

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12. Juli 2004, 02:25 Uhr, soc

Nachtrag

Was bringt es dir? Macht es dich stark, in dem du mit Floskeln um dich wirfst, nur um mir ein Gefühl der Überlegenheit zu generieren. Nur, das du im nachher deinen kompromissgenerierten Freunden erzählen kannst, dass du über den ach so schweren Feind gesiegt hast. Während du dein Leben lang all die gesellschaftlichen Mechanismen verurteilst, je nach Situation, bist du doch Teil davon. Gliederst dich ein, machst es dir bequem, gibst dem Trottel recht nur um weiter in der Nähe der Spitze des Eisbergs zu bleiben. Doch wenn du ganz tief in dich hineinhörst, wirst du die Unsicherheit erkennen und mit ihr umgehen können. Du wirst feststellen, dass alles andere nur Flucht ist und du dich in die Dunkelheit der sozialen Dummheit zurückziehst. Während du denkst, dass es dein Gegenüber nicht besser verdient hat, wirst du für immer und ewig ein törrichter Narr bleiben. Jetzt nimmst du dir schon wieder heraus, diese Kritik zu verurteilen. Doch schlussendlich verurteilst du nur dich selbst, weil du für dich herausnimmst Recht zu haben, ohne überhaupt darüber nachzudenken, ob es vielleicht auch anders sein könnte. Gut Nacht.

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18. Mai 2004, 00:13 Uhr, soc

Kopflos

Scheint so als habe er mal wieder alles falsch gemacht, was falsch zu machen war. Hat sich reingestürzt in das Abenteuer, ihn überfordert, ihm kein Raum zu Atmen gelassen. Nebenbei immer die Angst vor dem Konkreten und doch der Drang des Herzens, sich der Sehnsucht einfach hinzugeben. Liebe beginnt im Kopf. Sie muss gut überlegt sein, kalkuliert und geplant. Er mag das nicht. Er kann nicht mehr damit umgehen weil ihn das restliche Leben so vereinnahmt. Er will fliegen. Er will sich über diese rauchenden Köpfe hinwegsetzen, will an der Blume riechen und sie als das wahrnehmen was sie wirklich ist. Alles falsch gemacht, was falsch zu machen war. Vielleicht. Lasst uns endlich wieder Menschen sein.

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09. Mai 2004, 20:36 Uhr, soc

Gruppendynamik

Es war einer dieser Tage, an denen er sich wieder fragte, warum jede Gelegenheit immerzu in ihrem Keim erstickt wird, bevor ihr auch nur der Hauch einer Chance vergönnt wurde. Die Gruppe hat nur eine Funktion. Sie dient dazu, der Verbundenheit entgegenzuwirken. Sie polarisiert, sie zieht das Individuum an ihre Seite; lässt es zerschmelzen mit einer Kollektivmeinung die umso vieles einfacher erscheint. Der Mensch soll und muss alleine bleiben, auch wenn er daran zerbricht. Dafür gibt ihm die Gruppe oberflächliche Geborgenheit. Während etwas Junges, Frisches und Neues noch Zuneigung, Geborgenheit und Schutz braucht, zieht ihn die Gruppe hinter die Grenze. Dorthin wo die Gewitterwolken aufziehen. Da steht er nun, im Regen.

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11. April 2004, 16:12 Uhr, soc

Atemlos

Soll ich euch zum Weinen bringen? Soll ich euch erzählen und beschreiben was auf dieser Welt alles schief läuft, von der wir schon so lange erfolglos versuchen zu flüchten? Soll ich euch aufzählen, wie vielen Leuten jetzt in diesem Moment unrecht getan wird, die gefoltert, massakriert und hinters Licht geführt werden? Wollt ihr wissen, dass ihr eigentlich so bedeutungslos wie nichts anderes was jemals existiert hat, seid?

Nein, das wollt ihr nicht wissen. Weil ihr es euch eigentlich schon lange bewusst seid. Weil ihr jeden Tag danach strebt eurem Leben, eurem Individuum und eurem Umfeld Bedeutung beizumessen. Ihr versucht den Sinn hinter allem zu finden, resigniert und flüchtet euch schlussendlich in die Ignoranz weil ihr sonst irreparabel beschädigt werdet. Es gibt keine Probleme, wir haben sie alle selbst verursacht. Die Lösung wäre die unweigerliche Aufgabe unserer Existenz. Darauf arbeiten wir hin. Bis es soweit ist kleistern wir an unserer narzistischen Selbstverherrlichung und regen uns über den Nächsten auf, in dem wir uns immer und immer wieder finden.

Wenn er stirbt, hält der Mensch für immer und ewig die Luft an. Manchmal sollte er es in verträglichem Masse schon vorher üben.

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